Die NRW-CDU bedient die Standardkanäle eines Online-Wahlkampfes, das aber alles andere als innovativ. Das Dialog-Versprechen ist glatter Etikettenschwindel, eine klare Botschaft und ein einheitliches Profil der Kampagne fehlen.
Am 9. Mai wählt das größte bevölkerungsreichste Bundesland, es ist die einzige Landtagswahl im Jahre 2010. Noch wichtiger wird sie, weil es für Schwarz-Gelb darum geht, die knappe Mehrheit im Bundesrat zu verteidigen. Wie die CDU als tragende Partei der Landesregierung das im Internet versucht, will ich hier untersuchen. Kritierien für meine Kritik sind Transparenz, Interaktivität, Aktualität und die Frage, ob und wenn ja welche virale Elemente die Online-Kampagne hat.
Beginn der Recherche: die Homepage des Landesverbandes: www.cdu-nrw.de. Die Seite ist recht kompakt, Bewegung kommt durch den rotierenden mit einem großen Bild garnierten Aufmacher rein. Ansonsten gibt es einen Haufen Kästen, rechts in ocker unten in blau gehalten. Zwei Peinlichkeiten fallen auf: Feld, Wald– und Wiesen-PDFs werden als »Internetzeitung« (allein der Begriff spricht Bände) angepriesen. Und dann ist da noch der Button »soziale Netzwerke«, der unter anderem ein Twitter-Logo zeigt, wenn man darauf klickt, werden zwar Facebook, MeinVZ und YouTube-Auftritte angeteast, aber kein Twitter-Account.
Den muss man ohnehin lange suchen, alle Kombinationen mit CDU und NRW sind Fake-Accounts, da war man wohl zu langsam. Der Wahlkampf-Account läuft unter NRWRuettgers. Hier twittern drei Unterstützer, einigermaßen aktuell und nicht so trocken, wie man das von anderen Politiker-Accounts gewohnt ist. Besonders großer Erfolg ist dem Trio damit nicht beschieden, man hat — Stand. 30.4. — gerade mal 218 Follower, folgt selbst aber 335 Accounts. Vernetzung ist schön und gut, aber wenn ein Politik-Account, der eines Ministerpräsidenten zumal, sich für mehr andere Accounts interessiert, als er selbst mobilisieren kann, ist das ein Armutszeugnis.
NRW für Rüttgers heißt auch das Haupt-Kampagnenportal (»das Rückgrat der Onlinekampagne«) das zwar überall verlinkt ist, aber nirgends explizit als solches beworben wird. Hier wird eben alles Web2.0-mäßige gesammelt. Besonders angetan ist der bayerische Politikwissenschaftler Andreas Jungherr, der die NRW-CDU beim Online-Wahlkampf berät, von den Videos:
Die für deutsche Onlinekampagnen wahrscheinlich am innovativsten Videos sind regelmäßige direkte Videobotschaften des Generalsekretärs der CDU Nordrhein-Westfalens Andreas Krautscheid. In diesen Videobotschaften stellte er sich seinen Unterstützern vor, reagierte spontan auf tagesaktuelle Entwicklungen, oder rief zu thematischen Aktionen auf.
Was — bitte — ist daran innovativ, wenn ein Politiker statisch mit Mikrophon vor einem Parteilogo steht und eine Monolog hält? Die angepriesenen Videos sind eher Beispiele dafür, wie man es nicht macht.

»Der Dialog ist mir wichtig«, sagt Jürgen Rüttgers über sein Video-Bürgergespräch, das seit Dezember vier Mal stattgefunden hat.
Dass die CDU ein sehr eigenartiges Verständnis von Videos als Wahlkampf-Instrument hat, zeigt sich auch am so genannten Videodialog: Hier geben Rüttgers-Helfer Passanten die Gelegenheit, dem Ministerpräsidenten eine Frage zu stellen, die dieser dann im Video beantwortet. Allein: in diesem »Dialog« gibt es ganze vier Folgen, zwei aus dem Dezember, dann ging es erst am 27. März weiter und der April, ein heißer Wahlkampf-Monat, hat erst eine Folge gesehen. Und das, obwohl Rüttgers »der Dialog wichtig« ist. Wie wichtig ihm dieser Dialog ist, sieht man auch daran, dass beim jüngsten Video die Kommentare deaktiviert sind. Alles klar, Herr Rüttgers!
Etwas besser sieht es bei Facebook aus: Die dortige Rüttgers-Seite ist (im Gegensatz zur FB-Seite der NRW-CDU) gut gepflegt: viele aktuelle Posts, nicht nur Zweitverwertung anderer Materialien, auch Hinweise auf externe Abstimmungen oder die Aufforderung, über das TV-Duell zu twittern. 3618 Leuten (Stand 30.4., 11.25 Uhr) gefällt das, drei mal so vielen wie der NRW-CDU auf Facebook.
Virale Elemente sucht man vergebens, am ehesten (mehr als 9000 Abrufe) stößt noch ein Video auf Interesse, das die Albträume eines Mannes zeigt, der Angst vor Rot-Rot hat und dem ständig Schlagzeilen wie »Deutschland abgewirtschaftet« durch den Kopf gehen. Negative Campaigning durch Lagerwahlkampf also.
Fazit: Die NRW-CDU bedient die Standardkanäle eines Online-Wahlkampfes, das aber alles andere als innovativ. Das Dialog-Versprechen ist glatter Etikettenschwindel, eine klare Botschaft und ein einheitliches Profil — und sei es nur eine Corporate Identity — der Kampagne fehlen. Da kann die CDU nur hoffen, dass der Einfluss des Online-Wahlkampfes wirklich so gering ist, wie es eine Studie der Uni Hohenheim besagt.







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