Lange Zeit galt Google als Vor­rei­ter im Kampf für Netz­neu­tra­li­tät. Der Vor­schlag, kabel­ge­bun­de­nes und mobi­les Inter­net künf­tig unter­schied­lich zu behan­deln, ist ein Schritt in die digi­tale Klas­sen­ge­sell­schaft. Mit aus­führ­li­cher Linkliste.

Auf den ers­ten Blick liest er sich gut, der gemein­same netz­po­li­ti­sche Gesetz­ent­wurf, den Google und der US-Provider Ver­i­zon am 9. August vor­ge­stellt haben.

Dem­nach soll den Inter­net­nut­zern grund­sätz­lich ein dis­kri­mi­nie­rungs­freier Daten­trans­port und ein offe­nes Netz garan­tiert  werden. Breitbandbetreibern soll es ver­bo­ten wer­den, Daten­ver­kehr zu ver­lang­sa­men, zu blo­ckie­ren oder höhere Gebüh­ren dafür zu ver­lan­gen. Das Ganze gar­niert mit einer Transparenz-Verpflichtung:  Breitband-Betreiber sol­len ihre Kun­den in kla­rer Spra­che dar­über infor­mie­ren, wel­che Dienste ihnen zur Ver­fü­gung stehen.

Für die Ein­hal­tung die­ser Regeln wol­len sich die Kommunikations-Gigangten Google und Ver­i­zon der Federal Com­mu­ni­ca­ti­ons Com­mis­sion unterwerfen.

So weit, so gut.

Der Haken an der Sache: Diese schö­nen Regeln sol­len nur für kabel­ge­bun­de­nes Inter­net gel­ten, nicht aber für mobile Breitband-Verbindungen, weil der Mobil-Markt umkämpft und im Fluss sei.

Und noch eine Aus­nahme schla­gen Google und Ver­i­zon vor:  neue, »zusätz­li­che Online-Dienste«, wie hoch­auf­lö­sende Video-Programme, Dienste zur Gesund­heits­über­wa­chung, intel­li­gente Strom­netze, Bil­dungs­an­ge­bote und neue Optio­nen in den Berei­chen Unter­hal­tung und Spiele. Für sol­che Premium-Dienste solle auch eine »Prio­ri­sie­rung des Daten­ver­kehrs« in Frage kommen.

Netzneutralität wie Tim Wu sie sieht. Zeichnung von Fräulein Schiller auf der re:publica 2010, CC

Netz­neu­tra­li­tät wie Tim Wu sie sieht. Zeich­nung von Fräu­lein Schil­ler auf der re:publica 2010, CC

Sollte die­ser Vor­schlag so Gesetz wer­den, wäre das ein ekla­tan­ter Rück­schlag für das Prin­zip der Netz­neu­tra­li­tät. Google ist vom Vor­kämp­fer zum Rene­ga­ten in Sachen Netz­neu­tra­li­tät gewor­den. Gerade das mobile Inter­net wächst gerade enorm und es wird nicht mehr allzu lange dau­ern, bis es dem kabel­ge­bun­de­nen Netz den Rang abge­lau­fen hat. Das Netz wäre nicht mehr das glei­che, wie Stef­fen Voss vom Blog Kaf­fee­ringe plau­si­bel darlegt:

»Mit dem Internetzu­gang wür­den wir uns auch gleich auf bestimmte Dienste fest­le­gen. Wenn ich bei Ver­i­zon mei­nen Zugang miete und die Googles Youtube-​Videos in ihr Premium-​Angebot auf­neh­men, muss ich in Kauf neh­men, dass andere Video­por­tale nicht so gut funk­tio­nie­ren. Und also Video­por­tal­be­trei­ber muss ich damit leben, dass mich die poten­ti­el­len Zuschauer igno­rie­ren, weil Youtube schnel­ler funk­tio­niert. Das zemen­tiert natür­lich vor allem die Posi­tion der eta­blier­ten Firma.«

Der Google-Verizon-Vorschlag wäre nichts weni­ger als der Ein­stieg in eine digi­tale Zwei-Klassengesellschaft. Das würde auch unse­rer Tele­kom gut schme­cken, die Carta auf Anfrage erklärte: »Eine strikte Gleich­be­hand­lung sämt­li­cher Daten­pa­kete kann nicht im Inter­esse der All­ge­mein­heit und der End­nut­zer sein.»
Klingt danach, als ob sie in Bonn schon die Euro-Zeichen in den Augen hätten.

Zum Abschluss noch die lesens­wer­tes­ten Links rund um den Google-Verizon-Gesetzesvorschlag:

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